Foto: Das Haus an seinem ursprünglichen Standort auf Burg Kauper, 1928.
(Fotoarchiv Familie Möbus)
Besiedlung
Das Haus ist Zeugnis der ersten Besiedlungsphase außerhalb der Dorfgrenzen von Burg. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts ließen sich in den angrenzenden Wäldern erste Burger Familien nieder.
Hier zeigte sich der Spreewald von seiner urwüchsigen Seite, geprägt von undurchdringlichem Gehölz und Sümpfen. Wer jedoch kein eigenes Land besaß, sah sich gezwungen, an dieser Stelle sein Glück zu versuchen. Die Umstände waren widrig und nicht jedem gelang es.
Der Ortsteil Kauper
Die Errichtung von Wohngebäuden und Ställen war nur auf den sogenannten Kaupen möglich. Es handelt sich dabei um Schwemmsandinseln, die sich infolge der letzten Eiszeit gebildet hatten. Die Anhöhen, die aus den umliegenden Niedermooren ragten, boten einigermaßen Schutz vor Überschwemmungen. Für einen Hausbauplatz und zur Anlage von Gärten und Äckern mussten die häufig immer noch zu feuchten Flächen durch Bodenaufschüttung erhöht und mit Gräben entwässert werden. Zuvor geschlagenes Holz wurde zum Bauen verwendet. Jeder Quadratmeter musste der Natur in mühsamer Handarbeit abgerungen werden. Wiederkehrende Hochwässer erschwerten das Unterfangen erheblich. Ein äußerst ertragreicher Boden entlohnte aber alle Mühen. Stück für Stück wurde das Land urbar gemacht und es entstand der Burger Ortsteil Kauper.
Die ursprüngliche Hofstelle des Annemarie-Schulz-Hauses lässt sich bis 1719 zurückverfolgen. Sie entstand somit noch vor den Ansiedlungsprogrammen des preußischen Staates. Erst ab 1725 erlaubte und förderte König Friedrich Wilhelm I. (Soldatenkönig) die Besiedlung des Burger Spreewaldes. Es war das Ziel, ungenutztes Land urbar zu machen und die Bevölkerungsdichte in dem Gebiet zu erhöhen. Dies sollte vor allem mit Hilfe von auswärtigen Arbeitskräften, die sich hier niederließen, erreicht werden. Man versprach sich davon eine wirtschaftliche Stärkung des Spreewaldes und schließlich höhere Steuereinnahmen. Als 1740 Friedrich II. (Der Große) an die Macht kam, setzte er die Besiedlung und Kultivierung der Landschaft durch sogenannte Kolonisten fort.
Die Landschaft heute
Im Ergebnis entstand ein weitreichendes, durch Fließe und Gräben gegliedertes Mosaik aus hunderten Gehöften, Äckern, Wiesen und Waldstücken. Gemeinsam mit Burg-Kolonie bildet Burg-Kauper eine einmalige, in das UNESCO-Biosphärenreservat Spreewald eingebettete Streusiedlung.
Christoph Messow
Mai 2026
